Bezirksklasse: Verhaltener, aber erfolgreicher Einstand

SF Kirchhellen III – OSV IV 3:5

Als Mannschaftsführer habe ich wieder einmal das Glück, eine sehr angenehme Mannschaft bekommen zu haben: Neben den bisherigen Mannschaftskameraden Uwe Rippke, Jürgen Wawrzyniak, Helmut Junge, Klaus-Peter Fuchs und Hüseyin Turp sind die ehemaligen Teamgefährten Andreas Schneider, Marcel Lohse, Jens Nover und Alfred Klesse wieder neu hinzugekommen, also allesamt Spieler, die zur guten Stimmung in der Mannschaft beitragen. Da wir zudem in unserem ersten Kampf in der (zumindest unter der Nummer IV) neuen Klasse auch noch klar favorisiert waren, fuhren wir entsprechend guter Dinge nach Kirchhellen, wenngleich die Aufgabe, Marcel, Jens und Jürgen gleichzeitig in meinen Mazda 323F zu bekommen, an eine Mischung aus Tetris und Origami erinnerte.

Leider hatte Uwe Rippke ausgerechnet für diesen Tag schon vor Monaten Konzertkarten gekauft, aber überraschenderweise fühlte sich der nominell sogar noch stärkere Peter Fuchs schon wieder fit genug, um den Kampf zu spielen. Dennoch fiel das Ergebnis weniger deutlich als erwartet aus.

Alfred Klesse (Brett 5) wurde es an diesem Tag nicht besonders schwer gemacht: Sein rund 30 Jahre älterer Gegner stellte früh eine Figur ein; zwar erhielt Alfred eine kuriose Bauernstruktur, aber der Materialvorteil entschied, und Alfred konnte den Rest des Nachmittags mit einer Radtour verbringen.

Jürgen Wawrzyniak (Brett 6) baute sich wie gewohnt eine sehr solide und sehr geschlossene Stellung auf, die aber nach anscheinend fehlerfreiem Spiel des Gegners auch keinerlei Gewinnchancen erkennen ließ, so dass er nach einigem Materialtausch ein Remis vereinbarte.

Die Partie von Marcel Lohse (Brett 2) verlief leider etwas unglücklich: Er konnte zunächst einen Bauern gewinnen, geriet dann in einen Angriff und gab auf — dabei hatte er aber einen einfachen Verteidigungszug übersehen. Ob er mit diesem Zug die Stellung dauerhaft hätte halten können, ist eine andere Frage, aber so konzentriert, wie er bis kurz vor Schluss gespielt hatte, hätte er sicher noch kämpfen können. Damit war der Mannschaftskampf überraschend wieder ausgeglichen, aber es sollte zum Glück die einzige Niederlage bleiben.

Ich selbst (Brett 3) hatte nach einer Ungenauigkeit meines Gegners in der Eröffnung eine aktivere Stellung, verpasste aber anscheinend den richtigen Zeitpunkt für einen Angriff und wickelte statt dessen in ein vermeintlich besseres Endspiel ab; erst, als mein Gegner mir beim Abtausch der letzten Schwerfigur Remis anbot, sah ich, dass er meinen Plan mit einem einfachen Gegenzug durchkreuzen konnte und ich vielleicht sogar in Nachteil geraten wäre. Mir blieb also nichts anderes übrig, als das Remis anzunehmen, obwohl ich gerne zumindest noch abgewartet hätte.

Zum Glück holte Helmut Junge (Brett 7) dann erst einmal die Kastanien aus dem Feuer. Er hatte zunächst seine Springer sehr aktiv im Zentrum postiert, ohne jedoch entscheidenden Vorteil erzielen zu können. Dann tauschte er einen dieser Springer ab, um dem Gegner eine Bauernschwäche beizubringen, belagerte den schwachen Bauern und manövrierte geschickt mit seinen Figuren, bis er einen Landwirt gewinnen und einen gedeckten Freibauern bilden konnte. Als Helmut dann auch noch durch einen taktischen Trick eine Figur gewinnen konnte, kapitulierte sein Gegenüber. Damit lagen wir wieder in Führung.

Andreas Schneider tat sich an Brett 1 unerwartet schwer. Anfangs sah es so aus, als hätte er mit deutlichem Raumvorteil ein bequemes, wenn auch nicht klar überlegenes Spiel. Dann kam er mit schlechtem Läufer gegen guten Springer und unangenehmem gegnerischen Druck auf der a-Linie etwas in die Bredouille. Nachdem sein Gegner — möglicherweise, weil dieser auf Materialgewinn gehofft hatte — Figuren getauscht hatte, konnte Andreas sich wieder befreien und mit einer raffinierten Kombination sogar einen Bauern gewinnen; allerdings entstand dadurch ein Turmendspiel, in dem kein Gewinnweg zu sehen war. Das erste Remisangebot lehnte er ab, nachdem er sich bei mir nach dem Spielstand erkundigt hatte, aber wenige Züge später vereinbarte er dann doch ein Unentschieden. Seine kämpferische Leistung an diesem Tag ist sicherlich sehr hoch zu bewerten.

Einen Punkt hatten wir also sicher, aber die Partie von Peter Fuchs (Brett 8) sah ebenfalls sehr verheißungsvoll aus. Peter spielte gegen einen isolierten Damenbauern, den er blockieren und belagern konnte, und dazu noch mit einem Mehrbauern. Sein Gegner verteidigte sich extrem hartnäckig, aber mit kontrolliertem Spiel baute er seinen Vorteil immer weiter aus. Durch Abtauschaktionen schwächte er die gegnerische Bauernstruktur am Damenflügel und schuf am Königsflügel einen Freibauern. Als er dann noch dank einer Fesselung die verbliebenen Damenflügelbauern aufs Korn nehmen konnte, war die Partie zu seinen Gunsten entschieden.

Der Saisonauftakt ist also erst einmal gelungen, aber die nächste Runde spielen wir unter umgekehrten Vorzeichen: Dann empfangen wir zu Hause die Mannschaft aus Dorsten, die an den meisten Brettern 100 bis 200 Punkte stärker ist als wir. Zumindest muss ich mir dann keine Sorgen machen, dass zwei Spieler aus meinem Auto auf direktem Wege zum Chiropraktiker gebracht werden müssen, und vielleicht findet sich zum nächsten Auswärtskampf jemand mit einem größeren Auto für die „schweren Jungs“.

OSV IVTabelle1. RundeEinzelergebnisse

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