Bezirksklasse: Mehr als ein halber Erfolg

SW OB IV – OSV IV 4:4

Dass die Saison für uns sehr schwer werden würde, war mit Blick auf die DWZ von vornherein klar. Zum Auftaktderby gegen die Schwarz-Weißen traten wir allerdings ersatzgestärkt an: Der erkrankte Marcel Lohse (DWZ 1489) wurde vertreten durch Hüseyin Turp (1550), für den verreisten Klaus Füllhas (1307) spielte Gerd Arlt (1618), und der durch anderweitige Verpflichtungen gebundene Harald Meyer (1193) wurde durch den jungen und aufstrebenden Alexandru Cosovan (1261) ersetzt, der eine Woche zuvor bereits in der Fünften geglänzt hatte und von dem ich mir mindestens einen halben Punkt erhoffte.

Der Kampf begann für mich als Mannschaftsführer mit etwas Nervenkitzel: Durch eine kleine Panne traf Jens Nover verspätet ein und musste dann wohl noch längere Zeit am Eingang klingeln, bis ihm geöffnet wurde — zwei Minuten vor Ablauf der Wartezeit erreichte er das Brett. Die wirklich bittere Pille kam kurz danach: Alexandru tappte im Schottischen Gambit in eine (bei Spezialisten bekannte) Eröffnungsfalle, und so war die Partie schon vorbei, bevor er sein Potential zeigen konnte. Sehr schade, aber eine Chance in der Vierten hat er ja eventuell noch, und in der Fünften läuft’s hoffentlich weiter so gut wie bisher.

Leider lief es bei Jens auch nicht besonders gut; ob das mit der fehlenden Bedenkzeit zusammenhing, weiß ich nicht. Jedenfalls übersah er anscheinend einen Dameneinschlag mit Schach, der mindestens eine Figur und später, wenn ich das richtig gesehen habe, sogar einen ganzen Turm kostete. Auch diese Partie war also bald beendet; allerdings hatte Jens auch den stärksten Gegner von uns allen (Dirk Engling, bekannt als regelmäßiger Teilnehmer bei unseren offenen Turnieren).

Besser machte es Hüseyin Turp: Nachdem er bei mir nachgefragt hatte, ob er Remis machen oder gewinnen sollte, setzte er meine mannschaftsführerliche Anweisung „wenn du gewinnst, ist es besser“ prompt in die Tat um, womit er einmal mehr seine hervorragenden taktischen Fähigkeiten unter Beweis stellte.

Gerd Arlt war nach DWZ eigentlich klar favorisiert, aber nach beiderseitig fehlerfreiem Spiel (soweit man das in unserer Klasse sagen kann) endete die Partie remis. Leider übersah Alfred Klesse, der bis dahin solide gespielt und eine recht bequem aussehende Stellung aufgebaut hatte, ein Abzugsschach, mit dem die Partie sofort verlorenging.

Karl Hirtz hatte zunächst eine „Betonstellung“ aufgebaut und konnte zwischendurch sogar einen Freibauern bilden, den er aber wieder zurückgab (ob das korrekt war, konnte er nicht sagen, und ich habe zu wenig gesehen, um das zu beurteilen). Letzten Endes fühlte er sich so unwohl, dass er das Remisangebot des Gegners annahm, obwohl unsere Gegner damit auf vier Punkte kamen — ob das die richtige Entscheidung war, wird wohl erst die Analyse zeigen.

Die größte positive Überraschung an diesem Tag war für mich Gotthard Stieglitz: Unser neuer Mannschaftskamerad mit den weißen Haaren ließ mit den weißen Steinen seine Klasse als alter Taktikfuchs aufblitzen und knöpfte seinem Gegner die Dame für einen Turm ab (leider habe ich die entscheidenden Züge mal wieder verpasst); zwar leistete der noch hartnäckigen Widerstand, aber anders als bei den unbeugsamen Galliern gab es für den Führer der schwarzen Steine keinen rettenden Zaubertrank.

Nun stand es 3:4 gegen uns; ich musste meine Partie also unbedingt gewinnen, was nicht gerade perfekt zu meinem Spielstil passte. Aber mein Gegner blieb mit Schwarz im Franzosen zu lange passiv und zog auch noch Deckungsfiguren vom Königsflügel ab, was mir einen Figurenangriff ermöglichte; dieser schlug zwar nicht durch (oder ich fand die richtige Fortsetzung nicht), aber ich konnte zumindest eine Qualität gewinnen und in ein Endspiel abwickeln, das ich dank deutlich aktiverer Stellung und mit etwas Mithilfe des Gegners für mich entscheiden konnte.

Für zwei Mannschaftspunkte hat es also trotz des starken Ersatzes nicht gereicht, aber der Auftakt macht Hoffnung, dass wir — trotz Verlustes der Hälfte der Stammspieler aus der vergangenen Saison — in dieser Klasse nicht sang- und klanglos untergehen werden. Und vielleicht darf ich ja in vier Wochen über grandiose Siege von Marcel Lohse, Klaus Füllhas und Harald Meyer berichten.

OSV IVTabelle1. RundeEinzelergebnisse

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