Bezirksoberliga: Tag der vergebenen Chancen

SF Gelsenkirchen 2002 I – OSV IV   5:3

In der 8. Runde hatte die Vierte trotz des Fehlens von Klaus-Peter Fuchs (für den man wohl schon kräftig die Daumen drücken muss, dass es wenigstens in der nächsten Saison mit der Rückkehr ans Schachbrett klappt) und der üblichen nominellen Überlegenheit der Gegner gute Chancen, wenigstens einen Mannschaftspunkt mitzunehmen — leider blieben diese Chancen ungenutzt.

Bei Jürgen Wawrzyniak lief das „übliche Pflichtprogramm“ ab: Eine ausgeglichene Partie endete schnell im Remis, was nach DWZ-Vergleich natürlich als Erfolg zu werten ist. (Mit 7 Remis und einer Niederlage aus 8 Kämpfen liegt Jürgen derzeit bei einem prognostizierten DWZ-Zugewinn von 50 Punkten!) Die Partie von Hüseyin Turp, der zum zweiten Mal als Ersatzspieler eingesprungen war, sah eher nach beiderseitigen Angriffschancen aus, blieb aber letztendlich auch unentschieden.

Baris Demircan konnte aus einem Mittelgambit nachhaltigen Angriff generieren, gegen den sein Opponent letztlich keine ausreichende Verteidigung mehr fand. Leider traten seinem Punktgewinn bald aber zwei Verluste gegenüber: Rudi Cordsen geriet relativ früh in eine etwas schlechtere Stellung, und sein Gegner baute seinen Vorteil nicht nur aus, sondern verhinderte auch jede mögliche Abwicklung in ein Endspiel, das noch remis zu halten gewesen wäre. Und bei Uwe Rippke wurde innerhalb kürzester Zeit fast sämtliches Material getauscht; im Endspiel mit gleichfeldrigen Läufern, gleicher Bauernzahl und symmetrischer Bauernstruktur gab allein die bessere Stellung des Königs den Ausschlag zugunsten des Gegners.

Der erste unnötige Punktverlust ging auf mein Konto: Aus einer geschlossenen Stellung heraus hatte ich durch ein doppeltes Bauernopfer einen starken Königsangriff erlangt; bei knapper Bedenkzeit sah ich sogar den Gewinnzug, glaubte aber fälschlich, dass sich mein Gegner noch durch Schachs retten und danach eventuell seine Bauernmehrheit verwerten könnte, und gab ein Dauerschach. Lennart Faber hatte sich einen Mehrbauern erkämpft, ließ aber im folgenden Turm-Läufer-Endspiel wohl mindestens eine direkte Gewinnmöglichkeit aus und kam letztendlich ebenfalls nicht über ein Unentschieden hinaus.

Theoretisch hätte Niclas Kohl das Blatt noch wenden können, aber er hatte schon seit der Eröffnung Probleme mit einer ruinierten Bauernstruktur auf dem Königsflügel, was letztendlich (nach dem gescheiterten Versuch, die offenen Linien zum Angriff zu nutzen) zum Verlust zweier Bauern und einem unhaltbaren Endspiel mit Turm und Dame auf jeder Seite führte; Niclas hatte anscheinend noch die Hoffnung, durch irgendein Versehen des Gegners noch eine Rettungsmöglichkeit zu bekommen, sonst hätte er in dieser eigentlich aussichtslosen Situation wohl nicht noch mindestens eine Stunde weitergespielt; aber diese Hoffnung erfüllte sich nicht, und als der Verlust der Dame nicht mehr abzuwenden war, gab er auf.

Für mich — das nur als kleine Anekdote am Rande — war der verkorkste Tag damit noch nicht beendet: Beim Versuch, Hüseyin Turp in Meiderich abzusetzen, standen zwei gesperrte Autobahnausfahrten im Wege; nach spontaner Planänderung und einer Stadtrundfahrt durch Neumühl, Marxloh, Fahrn und Umgebung lieferte ich Hüseyin in Walsum ab, und rund anderthalb Stunden nach Abfahrt in Gelsenkirchen kam ich dann endlich zu Hause in Königshardt an. Immerhin hätte ich sonst wohl nie Marxloh von innen gesehen.

Für die Vierte wäre die letzte theoretische Chance auf Klassenerhalt (bzw. Einzug in die „Verbandsbezirksliga“) ein Sieg gegen Schwarze Dame Osterfeld (bei gleichzeitiger Niederlage von Hervest-Dorsten), was aber angesichts der starken Besetzung der vorderen Bretter sehr unwahrscheinlich erscheint. Es deutet also alles auf eine Rückkehr in die Bezirksliga hin, wo die Mannschaft bei ähnlicher Besetzung wieder gut mitspielen dürfte.

OSV IVTabelle8. RundeEinzelergebnisse

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